Der Schüßler-Spezialist

Wie fand Dr. Schüßler die Mineralstoffe


Wie fand Schüßler die Mineralstoffe, die für den Menschen von Bedeutung sind

Schüßler schreibt selbst in der ersten Auflage seiner „Abgekürzten Heilweise“[1]: „Die Grundlage meiner Forschung waren Histologie[2], die darauf bezügliche Chemie, die anorganischen Bestandtheile der Gewebe und die physiologischen Wirkungen oder Functionen dieser Bestandteile.“

„... Die Gebiete der anorganischen Funktionsmittel sind von mir auf den parallelen Wegen der Theorie und Praxis gefunden worden.“[3]

Aufgrund der Forschungen stellte er jene 12 anorganischen Substanzen zusammen, welche im „animalischen Organismus“ (Formulierung Schüßlers) enthalten sind. Später ließ er das zwölfte Salz weg, weil er es durch die Nummern 9 und 11 ersetzte.

Er legte sich auf folgende Mineralstoffe fest. Sie werden in der uns heute gewohnten Reihenfolge angeführt:

Nr. 1 Calcium fluoratum, Nr. 2 Calcium phosphoricum, Nr. 3 Ferrum phosphoricum, Nr. 4 Kalium chloratum, Nr. 5 Kalium phosphoricum, Nr. 6 Kalium sulfuricum, Nr. 7 Magnesium phosphoricum, Nr. 8 Natrium chloratum, Nr. 9 Natrium phosphoricum, Nr. 10 Natrium sulfuricum, Nr. 11 Silicea und Nr. 12 Calcium sulfuricum.

Joachim Broy schreibt dazu in seinem Buch “Die Biochemie nach Dr. Schüßler“[4] folgendes: „Schüßler war in der Auswahl seiner Funktionsmittel sehr vorsichtig. Er wollte vermeiden, dass unsichere oder schlecht geprüfte Mittel in seine Reihe Einzug hielten. Schließlich hatte er seine Heilmethode ursprünglich gerade aus diesem Grunde erstellt.

Als Untersuchungen bekannt wurden, die diese Anforderung für sein Mittel Calc. sulf. in Frage stellten, entfernte er es sofort aus seiner Reihe. Daraufhin enthielt diese nur noch elf Mittel. Schüßler schlug als Ersatz die Kombination Natr. phos. und Silicea vor. Dennoch gingen wichtige Indikationen wegen dieser Kürzung verloren.“

Wie sich Dr. Schüßler mit diesem Problem auseinandersetzt, kann in der letzten von ihm selbst überarbeiteten 25. Auflage der „Abgekürzten Therapie“[5] nachgelesen werden:

In Moleschotts ‘Physiologie der Nahrungsmittel’ ist der schwefelsaure Kalk als Nahrungsstoff aufgeführt. Das betreffende Werk ist im Jahre 1859 erschienen. Seitdem hat manche Anschauung eine Berichtigung erfahren.

In Bunges Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie, welches im Jahre 1887 erschienen ist, findet sich der schwefelsaure Kalk nur in Gallenanalysen, und zwar in zwei Analysen, in zwei anderen nicht.

In seinem Lehrbuch sagt Bunge vom Schwefel:

‘Hauptsächlich in der Form des Eiweißes gelangt er in den Tierkörper und geht von dort aus der Spaltung und Oxydation des Eiweißes zum größten Teil wiederum in der höchsten Oxydationsstufe als Schwefelsäure hervor. In dieser Form an Alkalien gebunden, verlässt er den Tierkörper, um den Kreislauf aufs Neue zu beginnen.’

An ‘Alkalien’, d.i. an Kalium und Natrium, also nicht an Erden: Calcium und Magnesium, ist die Schwefelsäure gebunden.

Der schwefelsaure Kalk ist zwar gegen manche Krankheiten [Eiterungsprozesse, Haut- und Schleimhautaffektionen] mit Erfolg angewendet worden; da er aber, wie aus obigem ersichtlich, nicht in die konstante Zusammensetzung des Organismus eingeht, so muss er von der biochemischen Bildfläche verschwinden.

Statt seiner kommt Natrium phosphoricum und Silicea in Betracht.“

In der Zwischenzeit ist die Forschung mit Riesenschritten weiter vorangeschritten. Durch feinere Analysemethoden war es möglich, noch weitere Stoffe zu entdecken, welche zum konstanten Bestand des menschlichen Körpers gehören. Es ist darauf zu vertrauen, dass Dr. Schüßler auch diese neuen Erkenntnisse auf seine geniale Weise in seine Schau eingebaut und zielführend in das von ihm entwickelte System integriert hätte.

Die Nummer 12 wurde von manchen Nachfolgern wieder in die Reihe aufgenommen, andere ließen sie wiederum endgültig weg.

Schüßler selbst hatte eine sehr offene Einstellung gegenüber Veränderungen seiner Heilmethode, was er auch schriftlich bekannte: „Die Biochemie ist noch nicht perfekt, sie ist aber perfektibel[6] und wird mit der Zeit perfekt werden.

Wenn Ärzte, die auf den Gebieten der physiologischen Chemie und pathologischen Anatomie sich gründliche Kenntnisse erworben haben, mir beim Ausbau meines Werkes behilflich sein wollten, so würden ihre Beiträge mir sehr willkommen sein.“

Im Laufe der mehr als hundert Jahre, die seit dem Tode Dr. Schüßlers ungefähr vergangen sind, wurden eine Reihe weiterer Mineralstoffverbindungen im menschlichen Körper gefunden, welche nicht nur vorübergehend in der Zusammensetzung vorhanden sind, sondern konstant. Sie erweitern den Bestand der 12 von Dr. Schüßler in Anwendung gebrachten Mineralstoffverbindungen auf insgesamt 33, wobei in letzter Zeit in der Adler Pharma das Bestreben besteht, die Reihe der Mineralstoffe auf weitere notwendige und im Organismus nachgewiesene Spurenelemente zu erweitern. Voraussichtlich wird es weitere Erweiterungsmittel geben.

Hauptsächlich finden allerdings die ursprünglichen 12 bzw. 11 biochemischen Mittel nach Dr. Schüßler Verwendung.

Sie stellen die Grundmittel der Biochemie nach Dr. Schüßler dar.


[1] Schüßler, Abgekürzte Heilweise, 1. Auflage 1874, Seite 3

[2] Wissenschaft und Lehre vom Feinbau (u. der Funktion) der Körpergewebe

[3] Zur Zeit Dr. Schüßlers war es auch üblich, Erkenntnisse aus verbrannten Leichenteilen und der Analyse der Asche zu gewinnen. Auch Dr. Schüßler hat sich an diesen Analysen zum Teil orientiert, weil er sich sagte, dass die Analyse der Asche von kranken Menschen anders sein müsse, als die Analyse von Asche gesunder Menschen, die z. B. durch einen Unfall ums Leben gekommen sind.

So kann es vorkommen, dass völlig Unwissende in der Biochemie nach Dr. Schüßler behaupten, die Mineralstoffe nach Dr. Schüßler würden aus der Asche von verbrannten Leichenteilen gewonnen. Ja manchmal gelangen solche Meinungen sogar in die Artikel völlig außen stehender Journalisten.

Ich selbst habe eine solche Meldung von einem Arzt erlebt, einem Leiter einer Selbsthilfegruppe für Osteoporose, zu der ich zu einem Vortrag über die Biochemie nach Dr. Schüßler eingeladen war. Es gab dann eine klärende Auseinandersetzung, in der das Missverständnis bereinigt wurde.

[4] Broy, Joachim: Die Biochemie nach Dr. Schüßler, München: Klaus Foitzick Verlag, 1992, Seite 62

[5] Schüßler, Abgekürzte Heilweise, 31. Auflage, 1904, Seite 25

[6] Das heißt, er meinte, dass sie noch verfeinert oder erweitert werden könne.